Hinterwelt.net

9. Juli 2009
Angedacht

Die Medien werden gerne als ›Creativbranche‹ gesehen. Ein Grund dafür liegt darin, dass sie mit Musikern und Schriftstellern eine Gemeinsamkeit haben: Auch die Medienberufe haben damit zu kämpfen, dass sich die Frage geändert hat, die sie sich anfangs gestellt hat. Aus: »Was will ich eigentlich machen? Was gefällt mir?« Wurde die Frage: »Was wollen die Leute eigentlich?« Der Maßstab der Herausforderung ist nicht mehr, wie anfangs, das sich selbst gesetzte Ziel – und sei es eine Suche. Stattdessen wird das »Gefallen finden« zum Maßstab, der über anerkannte Kompetenz entscheidet.

Wenn das erste Album einer Band das beste, zumindest das originellste war, liegt das (auch) daran, dass sich die eingangs gestellte Frage über die Jahre verändert hat. Bei den einen mehr, den anderen weniger. Der gelesen bekannte, der normale Alltag im Musikgeschäft, der sich eben auch auf die Inhalte auswirkt.

Skeptiker sagen, dass es in den Medien schon lange nicht mehr um Inhalte geht. Dass sich die Inhalte dadurch drastisch verändert haben, sagen sie auch.

Wenn man an einem Medienkongress Teil hat; erlebt, wie um das finanzielle Überleben gekämpft wird, während die Heilsbringer das Geld verdienen, das ja eigentlich knapp ist; wenn man sieht, wie die Teilhabe am Internet als Innovation und junges Publikum als Zeichen des »noch im Trend Seins« wahrgenommen wird,[1] wenn ich das erlebe, frage ich mich, ob die Skeptiker Recht haben? Und ich frage mich, ob das einer der Gründe ist, weshalb das Internet so erfolgreich ist.


  1. Kein Zufall ist es, dass der doch auszubildende Nachwuchs, der einfach nicht mehr so zahlreich kommt, wie noch vor zehn Jahren, dass dieses Ausbleiben für Unruhe sorgt, dass es nicht als gutes Zeichen erscheint. [zurück]
26. August 2008
Angedacht

Und dann bin ich mir nicht sicher, wie weit man bei der ARD sogar ganz froh ist, dass es die BILD gibt. Schließlich muss man sich ja irgendwie von dem da draußen abheben können, um sich selbst Bedeutung zuschreiben zu können. Und natürlich freut man sich, dass BILDblog die BILD kontrolliert, tagtäglich zeigt, wie schlecht dieser Journalismus im Vergleich zur eigenen, gehaltvollen Weisheit ist.

Wahrscheinlich ist es erst vor dem Hintergrund dieser verschobenen Selbstwahrnehmung so bitter, wenn sich auch die ÖR der ätzenden Meinungsmache hingeben. Vor über einem Jahr gab es da den Fall Panorama (Stichwort: Killerspiele). Panorama: Eine Sendung, die ihrem Namen gerecht eher den Weit-, als den Tiefblick hat und trotzdem als investigativ gelten will.

Und jetzt gibt sich der report München die Blöße in einer Sendung, die gegen den Datenschutz wettert. Gleich welche Meinung man vertritt, Falschinformation bleibt eben Falschinformation … und ich bin immer wieder froh, dass es Leute gibt, die sich die Mühe machen, zu recherchieren.

22. Mai 2007
Alltag

Wie die Funktionsweise und letztlich auch der Erfolg der Medien, die Medien zum Schweigen zwingt, wenn sie nicht zum Instrument werden wollen.
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18. Mai 2007
Angedacht

Jürgen Habermas meldet sich in der Süddeutschen zu Wort und beklagt die gegenwärtige und vor allem zu erwartende zukünftige Qualität der freien Presse.

Freie Presse

Marius Meller vom Tagesspiegel schätzt Habermas, befürchtet aber, dass in seiner Philosophie und wohl vor allem seinem Artikel für die Süddeutsche »ein totalitärer Kern schlummert.«

Soweit habe ich das bei den Bissigen Liberalen gefunden und dort wird auch diskutiert, von welchen Seiten »die freie, qualitativ hochwertige Presse« bedroht ist.

Nun bin ich aber ein Freund von Perspektivwechseln. Und ich denke in diesem Fall macht es Sinn, das von Habermas ja wirklich nicht zuerst diagnostizierte Problem nicht aus der Sicht »von oben«, der Sicht, die die ganze Medienlandschaft auf einmal überblicken möchte, zu betrachten, sondern mal kurz zu der kleinsten Größe im Geschäft der Presse, der Nachricht und ihrer Entstehung zu wechseln.

Das von Habermas aufgegriffene Problem, vielleicht auch Phänomen (?) des Qualitätverfalls, beruft sich auf einige Allgemeinplätze, die zu einem naheliegenden Schluss führen:
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18. März 2007
Angedacht

Es ist ein alter Hut, über die Skandalgeilheit der Medien zu lamentieren. Zu abgebrüht ist der Medienkonsument. Und während dem Bildleser die Skepsis über Jahre zur Natur geworden ist, weil er sich daran gewöhnt hat, nicht alles zu glauben, was dort steht, und der Griff in den Zeitungsständer schon längst neugierig und ungläubig zugleich geworden ist, — »Ui, wirklich, haben wir wirklich nur noch 13 Jahre?« — stehen auf der anderen Seite die Leser der Abonnentenzeitung und braven Konsumenten des Gebührenfernsehens mit schon gebildeter Meinung, denen ich (pauschal) ein weniger kritisches Verhältnis zu dem was sie da lesen, sehen oder hören, unterstelle. Und ich ertappe mich selbst dabei: Im Gegensatz zur Bild begreife ich die »seriösen« Medien nicht als Unterhaltung sondern als Information. Wenn ich über einen Krieg lese, glaube ich zu recht, dass er wirklich stattfindet, dass dort wirklich eine Bombe explodiert ist, dass sich die Außenminister wirklich getroffen haben. Kurz: Ich nehme die Welt über Medien wahr und bilde mir so über die Medien vermittelt ein Weltbild.

Wie oft passiert es aber, dass die »seriösen Medien« Wahrheiten verbreiten, die eben nicht wahr, vielleicht sogar erfunden sind. Erst vor drei Wochen lieferte Panorama Falschinformation vom Feinsten zu den »Killerspielen«. Letzte Woche trinkt sich ein Jugendlicher ins Koma und alle, wirklich alle springen auf den Zug auf: Die Jugendlichen trinken sich zu Tode, Flat-Rate-Trinken, der neue Trend und so weiter undsoweiter usw.

Während die einen über den Sinn oder Unsinn von Gesetzesänderungen diskutieren, sagt der Gesundheitsexperte Wolfgang Settertobulte im taz-Interview:

Nach den neuesten Daten hat der Alkoholkonsum unter Jugendlichen drastisch abgenommen. Gerade das regelmäßige Trinken, etwa in der Kneipe, wird seltener. [...] Auch das Rauschtrinken hat nachgelassen, wenngleich nicht ganz so stark wie das regelmäßige.

Ist der ganze Schlagzeilenhype um den Alkoholkonsum der Jugendlichen in Deutschland also bloß eine Ente? Keine Ahnung, kann ich nur sagen. Aber ganz unwahrscheinlich ist es nicht, denn der Schritt von der Agenturmeldung »Jugendlicher hat sich ins Koma gesoffen« hin zu »Ich mach ein/e/n Feature/Reportage/Beitrag zum krassen Alkoholkonsum der Minderjährigen« ist in den Redaktionen klein, wenn das Muster vom aktuellen »Aufhänger« zum allgemeinen Thema als Grundkonzept der journalistischen Themenfindung gepredigt wird.

Hin zum Allgemeinen. Schritt zurück. Es ist gleich, ob nun so oder so. Wenn Herr Settertobulte aber recht hat, wenn sein Bild die Welt ein bisschen besser repräsentiert, dann stellt sich einmal mehr die Frage, was von dem Bild zu halten ist, das die Medien, die seriösen, vermitteln, tagtäglich, rund um die Uhr. — Wenn man die Welt als Gegenstand annimmt, der von den Medien abgebildet werden soll, gleich einer Photographie, dann sollte man im gleichen Atemzug sagen, dass auch das Kino abbildet, indem es photographiert. Im Kino ist sich jeder bewusst, dass Bildretusche, Bildmontage und Inszenierung das verändern, was wir sehen, indem es verändert, wie wir es sehen.

Diese Analogie ist nicht unproblematisch, aber vielleicht deshalb denkenswert, weil wir beim Film wahrscheinlich kritischer sind, als bei den Tagesthemen. Und eigentlich sollte es anders herum sein, oder?

nachtrag
zu den Grenzen der Analogie: Wenn wir einen Film Michael Moores sehen ist das vielleicht anders, aber das ist dann nochmal eine andere Geschichte.

28. Februar 2007
Alltag

Manchmal treffen Ereignisse auf eine Weise zusammen, die man ironisch nennen könnte: Während der Bundesgerichtshof im Fall Cicero zu Gunsten der Pressefreiheit entschied, wird im Netz über einen Beitrag der Magazinsendung Panorama diskutiert, dessen journalistische Qualität nur mit miserabel zu bezeichnen ist.

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