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14. Oktober 2009
Fiktion

Eine Überraschung im Archiv. Als er abends Lücken der Sammlung schließen wollte, stieß er auf acht noch nicht archivierte Kurznachrichten des Sommers. Sieben hat er geschrieben, ohne Antwort. Die eine Antwort, die nach drei Wochen kommt, spuckt ihm ins Gesicht. Er sitzt im Nachtbus von Helsinki nach Juva ABC. Es ist dunkel. Der Bus schläft. Keiner sieht sein Gesicht. Keiner sieht, wie er sich die Gehörgänge mit Musik verstöpselt. Keiner hört wie er die Mittelstreifen im Licht der Frontscheinwerfer des Busses zählt. Die Straße ist lang, ohne Gegenverkehr. Gleichbleibender optischer Eindruck. Der Bus rollt schneller über die Streifen. Er zählt schneller. Es bleibt Ordnung. Ordnung bleibt während die Fahrbahnen durch einen durchgezogenen Mittelstrich getrennt werden: Er zählt die Schläge der Musik. Als das Lied aufhört, zählt er Augenblicke. Bis die Mittelstreifen wieder im Licht der Frontscheinwerfer unter dem Bus verschwinden. Um vier dämmert der Tag über Finnland. Es zählt, er zählt, kämpft gegen Schlaf, zählt, zählt die Augenblicke, verliert sich im Zählen und sieht sich neben ihr. Sie neben ihm, während er zählt.

Um halb fünf sieht er den Wald neben der Straße, jetzt Bäume in der Weite Finnlands, die Straße gerade bis zum Horizont, nach Osten, über dem die Sonne dämmert, sich der Tag erhebt. Mittelstreifen um Mittelstreifen vergeht die Ordnung. Sie bleibt. Neben ihm schläft der Bus. Auch als er um fünf dem Bus in den dämmernden Tag entsteigt, den Busfahrer nochmals Winken sieht, auf einem Parkplatz mitten in Finnland steht und nichts mehr hat, das sich rhythmisch bewegt.

Das waren meine Sätze ... ich freu mich über Deine:

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