Wie beginnt und was bringt das 21. Jahrhundert? Die Frage steht im Raum - nicht erst seit dem Zusammenbruch eines ganzen Zweiges der Finanzindustrie. Die Frage steht im Raum seit sich um 1990 das Blocksystem in einer Hegemonie der sog. westlich geprägten Welt auflöste. Die eigenen Interessen oder Menschenrechte oder auch einfach nur der Weltfrieden wird durchgesetzt, wenn es gerade opportun erscheint. Über die Fragwürdigkeit militärischer Interventionen schrieb letzte Woche Helmut Schmid in überraschender Deutlichkeit.
Welchen Zynismus sich das weltpolitische Denken Europas bereits zu eigen gemacht hat, wird anhand der Schiffsentführungen deutlich. Menschen in einem Land, das seit Jahren in Bürgerkrieg versunken und vergessen ist, das nach den Empfehlungen des Auswärtigen Amtes einfach nicht zu bereisen ist, in das Kriegsberichterstatter keinen Fuß setzen, weil es dort noch nicht einmal eine Nachricht zu holen gibt. Was verdrängt wird, meldet sich erfahrungsgemäß wieder ___
Der Fall scheint klar, eine militärische Intervention geboten. Und doch ist ein Einschreiten nicht ohne Probleme möglich. Nicht weil in Europa plötzlich jemand Skrupel gegenüber militärischen Interventionen bekommen hätte. Wenn nicht das — zumindest ein Problem liegt anders:
under European human rights law, captured pirates cannot be turned over to states, including Somalia, where they might be tortured or face the death penalty. (economist)
Ist dieser Zynismus europäischer Weltpolitik noch zu überbieten?


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