Hinterwelt.net

10. April 2007
Angedacht

Es liegt schon ein fast zwei Monate zurück, dass Bundespräsident Horst Köhler in Kronach (Oberfranken) unterwegs war. Wahrscheinlich liegt es an der Natur der Sache Natur der Medien, dass die Worte des Bundespräsidenten nur dann auf die Waagschale gelegt werden, wenn er sich auf großen Bühnen und Kontinenten bewegt. Dabei lehrt doch eine Wendung, dass die richtige Politik auf kommunaler Ebene gemacht werde. Und eine andere Wendung lehrt, dass der wahre Journalismus im Lokaljournalismus zu finden und auch zu erlernen sei. Hin zum Lokalen, so lautet das Diktum. Es sollte sich also lohnen die Worte zu hören, die das Staatsoberhaupt für die Bürger einer Gemeinde hat, die bekanntlich mit der Abwanderung der Jugend und Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Fast einfühlsam klingt Köhler, als er in der Gemeinde Kronach spricht:

[audio:http://hinterwelt.net/wp-content/uploads/2007/04/koehler_kronach.mp3]

Es mag nur eine Feinheit sein … aber der Feinheit wegen legt man Worte auf die Waagschale:

Der Satz: „Seien sie optimistisch“ ist ein Satz, der dem Pessimismus entspringt, und Köhler hat ihn vielleicht gerade deswegen vermieden. Er hätte sagen können: „Seinen sie nicht pessimistisch.“ Das wäre ein Satz gewesen, bei dem man sich fragen könnte, weshalb es das überhaupt sagt … aber nein, Köhler sagt wirklich:

[audio:http://hinterwelt.net/wp-content/uploads/2007/04/koehler_kronach_kurz.mp3]

Es ist schön, den einfühlsamen Ton in Köhlers Stimme zu hören. Deshalb erscheinen mir seine Worte auf den ersten Blick als politische Seelsorge. Aber: Ist es Ironie, wenn der Bundespräsident, der von sich Reden macht(e), weil er die Deutschen für ihr Klagen, ihren Pessimismus geißelte, hier ausgerechnet zu einem Pessimismus, der aber nicht übermäßig sein soll, auffordert? Ist es Zynismus, wenn er das ausgerechnet vor den Bürgern einer Gemeinde tut, die nicht zu den Gewinnern der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre gehört?

Ein Kommentar

  1. maxlman

    Es beeindruckt mich immer wieder zu sehen – oder in diesem Fall zu hören – wie es Politiker schaffen sich ohne Not in dumme Situationen zu bringen und das eigentlich nur, weil sie denken, dass an der einen oder anderen Stelle dieser oder jener floskelhafter Satz gesagt werden muss…

Das waren meine Sätze ... ich freu mich über Deine:

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