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1. Februar 2007
Film

Über den Film »Nach der Hochzeit«

Warum entwickeln Filme Intensität? Manchmal ist es die geniale Montage, manchmal ein unglaubliches Drehbuch, dann wieder ein Regisseur, dessen Handschrift man noch in jedem Gesichtszug der Schauspieler zu finden glaubt. – Natürlich ist das Geheimnis eines guten, intensiven, in Erinnerung bleibenden Films meistens ein geglücktes Zusammenspiel, all‘ der Komponenten, die einen Film eben ausmachen. Doch manchmal, manchmal ist ein Film intensiv, weil dort, im Film, auf der Leinwand ein Charakter zu sehen ist, der sich in die Erinnerung einbrennt.

Jacob ist ein solcher Charakter. Der Film »Nach der Hochzeit« beginnt in Indien, zeigt Erwachsene, die versuchen Kinder in einem Armenviertel zumindest mit dem Notwendigesten zu versorgen.
Jacob, ein Mensch, mit einem Gesicht, das älter ist, als er selbst. Er ist alleine, scheint allen Menschen verschlossen, bis auf die Kinder, die er in einem Waisenhaus betreut.

Wie Jacob nach Indien gekommen ist, wissen wir nicht, wir kennen seine Vergangenheit nicht und er scheint sich auch nicht nach seiner Vergangenheit zu fragen, bis er …

…. bis er – gegen seinen Willen – nach Dänemark muss, um mit einem Unternehmer die Finanzierung des Waisenhauses zu besprechen. Er zögert, weigert sich, will nicht in seine Heimat, wo er doch hier, in Indien, bei den Kindern ein zu Hause gefunden hat.

Als er wieder in Dänemark ist, ändern sich die Farben, die Menschen, die Lebensumstände, die Welt ist Jakob fremd geworden. Besser: Er ist der Welt fremd geworden. Ob Zufall oder nicht, Jacob wird von seiner Vergangenheit eingeholt.

Menschen, die lange gebraucht haben, um sich im Leben zu orientieren und dann, endlich, als sie ein zu Hause gefunden haben, erneut wieder jeden Halt verlieren und ob sie wollen oder nicht, Entscheidungen, Lebensentscheidungen treffen müssen. Darum geht es in Susanne Biers Film „Nach der Hochzeit“. Ein Film, der alleine wegen seines Themas stets eine Gratwanderung zwischen Kitsch und plattgetretenen Klischees auf der einen und Rührseligkeit auf der anderen Seite sein muss. Es ist Susanne Bier und dem Drehbuchautor Anders Thomas Jensen anzurechnen, dass ihnen diese Gratwanderung geglückt ist. – Ohne dem Hauptdarsteller Mads Mikkelsen wäre der Film wahrscheinlich aber dennoch nicht geglückt. Es ist sehr lange her, dass ein Schauspieler einen Film auf solche Weise dominiert hat, und das im Positiven.

Wenn man fragt: Was ist es nun, was einem Film Intensität gibt? Dann kann man für den Film »Nach der Hochzeit« eine eindeutige Antwort geben: Die unglaubliche Präsenz des Schauspielers Mads Mikkelsen.

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