Hinterwelt.net

8. Dezember 2011
Fiktion

Jetzt scheint sie also wieder. Wintertag ohne Schnee mit Wind in der Straße und Sonne im Wohnzimmer, während ich meine Augen reibe, die Halswirbel strecke, eine Tasse Kaffee vor mir habe und gedanklich noch zwischen Traum und Tag Musik höre. Sonne. Ans Regal gelehnt steht das Rennrad, in der Sonne. Seine Geometrie drängt nach vorn; über den Lenker gebeugt sehe ich mich aus dem Sattel gehen, die letzten zwei Kehren des Anstiegs im Wiegetritt bezwingen. Oben dann, liegt vor mir das Tal des Hérault. Sonne des Südens im Gesicht; auf den Armen liegen dicke Adern. Der Puls beruhigt sich auf dem Weg hinunter ins Tal; der Fahrtwind trocknet den Schweiß auf der Haut: Auf der Abfahrt kommt der Körper zur Ruhe. Bergab konzentiert sich der Kopf, einziger Gedanke die Straße, ihr Verlauf, die nächste Bremsung. Das äußere Bein stemmt sich ins Pedal, die innere Hand belastet den Lenker, lässt die Bremse los. Das Rad legt sich in die Kurve und der Blick folgt dem Straßenverlauf, fällt auf die nächste Kehre, sieht unten im Tal die Brücke, den Fluss, seine Sandbank. Warme schwere Luft des Südens in Gedanken, während draußen Winter ist, ohne Schnee mit Wind in der Straße und der Sonne, die auf das Rennrad scheint. Es steht gelehnt am Bücherregal und wartet auf den nächsten Anstieg, die nächste Abfahrt, mit Sehnsucht aber auf die Sonne des Südens.

5. Juli 2011
Angedacht

Richtungsentscheidung. Nicht die Entscheidung, erst das Treiben im Alltag gibt die Richtung. Wie im Spaziergang folgt jeder Schritt aus sich selbst. Nur im Nachdenken der Richtung bahnt sich der nächste Schritt seinen Weg. Und wieder im Rückblick zeigt sich die Richtung, die der Gang genommen hat. Das ist Alltag.

23. Mai 2010
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6. März 2010
Anderswo

Lasst uns […] mal wieder fragen, wie wir leben wollen, statt theoretische Ersatzökologie naturwüchsiger Märkte und deren Bestandsschutz staatlich zu subventionieren.

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28. Oktober 2009
Angedacht

Drei Menschen, drei Alltagswelten:
Eine ist zu Hause. Einer kämpft mit sich selbst. Der dritte kämpft mit Gott.

Wahrnehmen tut man nur einen von dreien.
Über die anderen schüttelt man den Kopf.

Der, den man wahrnimmt, ist man selbst.

14. Oktober 2009
Fiktion

Eine Überraschung im Archiv. Als er abends Lücken der Sammlung schließen wollte, stieß er auf acht noch nicht archivierte Kurznachrichten des Sommers. Sieben hat er geschrieben, ohne Antwort. Die eine Antwort, die nach drei Wochen kommt, spuckt ihm ins Gesicht. Er sitzt im Nachtbus von Helsinki nach Juva ABC. Es ist dunkel. Der Bus schläft. Keiner sieht sein Gesicht. Keiner sieht, wie er sich die Gehörgänge mit Musik verstöpselt. Keiner hört wie er die Mittelstreifen im Licht der Frontscheinwerfer des Busses zählt. Die Straße ist lang, ohne Gegenverkehr. Gleichbleibender optischer Eindruck. Der Bus rollt schneller über die Streifen. Er zählt schneller. Es bleibt Ordnung. Ordnung bleibt während die Fahrbahnen durch einen durchgezogenen Mittelstrich getrennt werden: Er zählt die Schläge der Musik. Als das Lied aufhört, zählt er Augenblicke. Bis die Mittelstreifen wieder im Licht der Frontscheinwerfer unter dem Bus verschwinden. Um vier dämmert der Tag über Finnland. Es zählt, er zählt, kämpft gegen Schlaf, zählt, zählt die Augenblicke, verliert sich im Zählen und sieht sich neben ihr. Sie neben ihm, während er zählt.

Um halb fünf sieht er den Wald neben der Straße, jetzt Bäume in der Weite Finnlands, die Straße gerade bis zum Horizont, nach Osten, über dem die Sonne dämmert, sich der Tag erhebt. Mittelstreifen um Mittelstreifen vergeht die Ordnung. Sie bleibt. Neben ihm schläft der Bus. Auch als er um fünf dem Bus in den dämmernden Tag entsteigt, den Busfahrer nochmals Winken sieht, auf einem Parkplatz mitten in Finnland steht und nichts mehr hat, das sich rhythmisch bewegt.

9. Oktober 2009
Angedacht

„Ob Böll Kritik übt, ist mir gleich. Sein Clown kommt nicht klar mit der Welt. Das reicht.“

8. Oktober 2009
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benaco

21. September 2009
Angedacht

Sitzt er und schreibt. Nicht ungewöhnlich, Montags, abends. Gedanken der letzten Wochen weiter ordnen. Gedanken in Textform bringen beginnt mit den Fäden, die in Erinnerung liegen. Seien sie auf der Finnischen Seenplatte, im Rausch Chanias oder im Fahrtwind vor Dietramszell. Täglich grüßt das Geflecht eigener Erinnerung. Die anstößige Assoziation ist selten bewusst. Täglich formt der Gedanke die Erinnerung, nimmt Fäden auf; andere lässt er fallen. Manche bleiben bestehen; andere versinken bestenfalls im Bücherregal, dem Archiv vergangener Leidenschaften. Was bleibt, sind die Erinnerungen, an denen die Gedanken arbeiten. Sie verändern sich solange die Gedanken an ihnen arbeiten. Hört der Gedanke auf, sind sie verschwunden. – Was bleibt: Erinnerung, die nicht das ist, woran sie erinnert und doch vorgibt, genau das zu sein.

Man könnte behaupten, es mache keinen Sinn, über Erinnerung zu streiten. Vor allem nicht, wenn es um erinnerte Zweisamkeit geht.
Solange der Reflex des Nachtretens da ist, tut man es trotzdem.

6. September 2009
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suomenlinna

9. Juli 2009
Angedacht

Die Medien werden gerne als ›Creativbranche‹ gesehen. Ein Grund dafür liegt darin, dass sie mit Musikern und Schriftstellern eine Gemeinsamkeit haben: Auch die Medienberufe haben damit zu kämpfen, dass sich die Frage geändert hat, die sie sich anfangs gestellt hat. Aus: »Was will ich eigentlich machen? Was gefällt mir?« Wurde die Frage: »Was wollen die Leute eigentlich?« Der Maßstab der Herausforderung ist nicht mehr, wie anfangs, das sich selbst gesetzte Ziel – und sei es eine Suche. Stattdessen wird das »Gefallen finden« zum Maßstab, der über anerkannte Kompetenz entscheidet.

Wenn das erste Album einer Band das beste, zumindest das originellste war, liegt das (auch) daran, dass sich die eingangs gestellte Frage über die Jahre verändert hat. Bei den einen mehr, den anderen weniger. Der gelesen bekannte, der normale Alltag im Musikgeschäft, der sich eben auch auf die Inhalte auswirkt.

Skeptiker sagen, dass es in den Medien schon lange nicht mehr um Inhalte geht. Dass sich die Inhalte dadurch drastisch verändert haben, sagen sie auch.

Wenn man an einem Medienkongress Teil hat; erlebt, wie um das finanzielle Überleben gekämpft wird, während die Heilsbringer das Geld verdienen, das ja eigentlich knapp ist; wenn man sieht, wie die Teilhabe am Internet als Innovation und junges Publikum als Zeichen des »noch im Trend Seins« wahrgenommen wird, ((Kein Zufall ist es, dass der doch auszubildende Nachwuchs, der einfach nicht mehr so zahlreich kommt, wie noch vor zehn Jahren, dass dieses Ausbleiben für Unruhe sorgt, dass es nicht als gutes Zeichen erscheint.)) wenn ich das erlebe, frage ich mich, ob die Skeptiker Recht haben? Und ich frage mich, ob das einer der Gründe ist, weshalb das Internet so erfolgreich ist.

7. Juni 2009
Angedacht

Affirmation der Parlamentsmehrheit ist
Affirmation der Reaktion ist
Ablehnung der Gegenwart.
Reaktion durch Papier und Stift.

8. Mai 2009
Fundstücke

Der Suchende war ruhig, auch beim Reden, der Interpret im Wortelosen der Gesichter oder Blicke. Da sucht der Suchende nach Zeichen.

Goetz / Rave

15. April 2009
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... weiter gehen

14. April 2009
Angedacht

Sprachgewalt. Posaunenstoß. Maßstäbe wechseln. Krisis durchschreiten, für den Augenblick, in den sie fällt, den sie zertrümmert und schweigen macht. Selbst groß wird, für den Augenblick. Brachial kommt sie. Zerstäubt wird sie vertrieben, mit der zentrierenden Geduld des Weiter so, das sich eingeschlichen hat, Gewohnheit ist.

Der Wunsch, ein einziges mal Ja zu sagen, einmal Ja zu meinen, zu denken, tatsächlich Ja zu fühlen, diese Sehnsucht nach Affirmation, nach Geborgenheit in der unbeugsamen Welt, hat den Alltag bestimmt und ist schließlich in Erfüllung gegangen. Freilich nur um den Preis stetiger Neuunterwerfung. Die Affirmation gibt es nur um den Preis des fortwährenden Kampfes mit sich selbst, seinen eigenen Gewohnheiten nicht nur im Tun — auch im Denken.

18. März 2009
Fiktion

Leeres Blatt Papier am Tag der Frühling beginnt und Abend endet. Freude am Richtigen in falschen Sätzen, sind der Tag, für sich ohne Wort.

8. Januar 2009
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Down Among a Million

1. Januar 2009
Fiktion

Vier fremde Schritte ins neue Jahr. Die Hoffnung in Sätzen, während die Teufel des alten vertrieben werden vom Baumarktgeschmack der leuchtenden Hamsterrülpser hoch oben im Himmel. Eine Rakete, ein Wunsch, so die Regel. Ein Böller, eine Sünde. Ein Sektkorken, eine Vergebung im anrauschenden Jahr, an dessen Zauber so recht niemand glaubt, als die fade Erinnerung an »Brot statt Böller« am vorderen Hirnlappen kratzt und ein »Amen« im Nachklang den Weg zur Erinnerung findet. Jährlich holt es mich wieder. Jährlich falle ich kurz aus meinem Muster, bin zwei Minuten abwesend wie Thomas im Ketamin-Loch. Mit dem nächsten Böller, der nächsten rauchenden Mülltonne bin ich wieder da und gehe meine vier fremden Schritte ins neue Jahr.

23. Dezember 2008
Fiktion

Der Kopf dreht sich, das Bett schwitzt, die Hoffnung in Sätzen, während das Fenster beschlägt. An Tagen, die Weihnacht die Hand reichen im fiebrigen Halbschlaf der Verbalisierung. Leerstelle. In weiß. Am Ende des Monats, der schneller lief, als der Kalender sagt. Am Ende des Monats reduziert sich Welt auf den Wohnraumwürfel des Schlafzimmers. Alltag auf den Wechsel durchschwitzter Bettwäsche reduziert dreht sich im Fiebertraum der Gedanke im Kreis. Der Rest ist Schlaf.

1. Dezember 2008
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Sommernacht

22. November 2008
Fiktion

Es wird wieder Winter. Winter war es, als der Nachmittag im Café zu Bier am Abend wurde. Wie die Jahre zuvor gab der Abend dem Abschied mit meinem Versprechen die Hand, sich zu melden, bald. Bald wurde zu einem Jahr. Wie die Jahre zuvor. In die Jahre gekommen sind die Versprechen. In die Jahre kommen wir. Bis zu den Tagen, die wir dem Jubiläumsglauben verdanken. Bis zu den Tagen, die irgendwie groß sein müssen; die Bedeutung haben müssen, weil sie doch groß sind. Und so erzählt man seine Geschichte wie jeden Tag neu. Stets als Legitimation des eigenen Tuns und Lebens — nicht nur vor den anderen: auch sich selbst die Sicherheit zu geben, die Zeit sinnvoll zu verleben. Narration des Selbst als Technik der Selbstpositionierung, die den anderen und einem selbst Orientierung und wohl auch Bewertung ermöglicht. Die Rahmenerzählung steht indes schon geschrieben, bevor wir überhaupt in die Zeit kommen, unsere Geschichte am großen Tag zu erzählen. (Weil er doch groß ist, muss er eine besondere Bedeutung haben.) Die Legitimation der verlebten Zeit findet sich nur vor den Erwartungen der anderen, der allgemeinen Erwartung, was man in 10958 Tagen im Normfall so alles getan hat.

25. Oktober 2008
Fundstücke

… es scheint, als habe sich das deutsche Kino mit seiner Requisitenschieberei, seinen übereifrigen Rekonstrukteuren, die für jede Epoche das passende Schublädchen herausziehen, mit ebenjener historistischen Hure eingelassen, die immer nur das vermeintlich ewige Bild der Vergangenheit sucht. Es ist ein Bild, in dem die Geschichte auf immergleiche Schlüsselreize reduziert wird, auf dass die Vorstellung in ihren altbekannten Bahnen bleibe.

Katja Nicodemus über unsere kleine Traumfabrik

29. September 2008
Angedacht

Es wird geprügelt, gestochen, gehauen. Niederlagen groß und klein geredet. Eigene Sympathien entstehen, vergehen. Aber immerhin: Es wird diskutiert. Codes werden bedient, Signalwörter gesendet. Bissig, scharf, eloquent. – Wissend, besorgt oder siegesbewusst. Nicht immer fair, aber immer im Rahmen, immer verbal. Abgesehen vom Kochschen Schuh und der hin und wieder aufs Podium klatschenden Hand, ja Faust vielleicht, bleibt dieser Streit körperlos. Die Haltung, der Eindruck, die Körpersprache sind von Bedeutung – aber auch da ist es die Sprache des Körpers und nicht sein Potential zur Gewalt. Diskussionskultur im Fernsehen.

Bis zum Übergriff, den es dann doch und meist unbemerkt gibt. Übergriff auf das Gegenüber, nur von Mann zu Mann gepflegt. Und immer sind es die Männer einer Partei, die übergriffig werden. Übergriffigkeit als Parteikultur? Ob Strauß, Stoiber, Söder oder gestern Abend Wilfried Scharnagl. Sie alle haben den Griff mit der breiten Hand auf den Unterarm des Anderen als Teil der eigenen Diskussionskultur: Markenzeichen der CSU? Was sagt diese Geste, die den Rahmen der Geste verlässt und den Anderen angreift? Nicht mehr verbal, sondern haarscharf an der Grenze zum nicht tolerierten physischen Übergriff. Ist es der Vater, der seinen Sohn angreift? Paternalismus als Geste zum Ausdruck gebracht? Ist das Angreifen des Anderen, das Eindringen in seinen Raum, ist das Grapschen geschult oder vorparteiliches Charaktermerkmal?

28. September 2008
Film

Zeit des dunklen Ritters, wenn die Welt schön explodiert und dunkel ins Chaos stürzt. Ein Chaos, das nicht hereinbrechende Apokalypse ist, sondern aus dem Fundament hervorkriechende Sinnlosigkeit. Sinnlosigkeit, die eben nur dann erscheint, wenn das Erklärungsmuster nicht mehr greift und die Zuschreibung von Sinn fehlschlägt; wenn eben das verloren geht, was die Gesellschaft Gotham Citys im Fundament verbindet.

Wenn Joker während eines Banküberfalls auf überraschende Weise dafür sorgt, dass der Beuteanteil seiner Komplizen gen Null geht, obwohl er nicht am Geld interessiert ist, dann betritt ein Schurke die Leinwand, der das Muster auflöst, mit dem wir Schurken auf der Leinwand begreifen. Ein Schurke, der uns nicht den Gefallen tut, lediglich Gegner im Spiel zu sein, der nicht der Logik der Ökonomie folgt, der nicht homo oeconomicus, sondern ein anderer ist. Allem Anschein nach sollte Joker ein anderer sein.

Vor diesem Hintergrund wird eine Nähe zu Filmen wie No Country for Old Men oder Eastern Promises unterstellt. Das Verstörende dieser Filme liegt nicht so sehr in ihrer rohen Darstellung der Gewalt, als vielmehr im Verlust des Eindeutigen: Unmöglichkeit eines Verstehens ohne Rest. Auch Unmöglichkeit den gestrickten Plot aufzutrennen, um dann endlich den ununterbrochenen Faden von Ursachen und ihren Wirkungen vor sich zu haben.

No Country for Old Men und Eastern Promises sind nicht gebrochene Filme, sondern Filme, die den Zuschauer mit einer ähnlichen Verstörung alleine lassen, wie die Lebenswirklichkeit auch. Bei aller unterstellten Nähe zu diesen Filmen, Dark Knight kann diese Verstörung nicht im Ansatz auf die Leinwand projizieren.

Weshalb es beinahe gelungen wäre, lässt sich an Heath Ledgers Joker zeigen. Weshalb es nicht im Ansatz funktioniert, zeigt sich in seiner Einbettung in den Rest des Films. Dass Heath Ledgers Umsetzung des Jokers auf visueller Ebene großartig ist, wurde schon geschrieben. Und so waghalsig eine Interpretation sein mag, die eine direkte Verbindung zwischen Filmrolle und unerwartetem Tod herstellt, so zwingend erscheint sie mir. Nicht, weil sich die Rolle des Jokers auf Heath Ledger auswirkte, sondern weil sich die Rezeption des Jokers nicht vom Tod Heath Ledgers frei machen kann. Der posthume Auftritt eines Schauspielers ist unheimlich. Wie schon Brandon Lees Auftritt in The Crow umgibt auch Heath Ledger in Dark Knight die Aura des Wiedergängers.

Was macht aber der Film aus dem Auftritt dieses großartigen Schurken? Während der ersten Filmminuten scheint wirklich ein Bösewicht aufzutreten, der aus den uns gewohnten Erklärungsmustern fällt. Das einzige Wort zur Beschreibung, das in den ersten Momenten bleibt, ist „böse“ — dieses Wort, das immer bemüht wird, wenn nicht mehr gewiss ist, wie mit dem umgehen, das da vor uns tritt.

Es dauert nur kurz, bis der Film abbricht, bis alle anfangen in Vater-Sohn-Dialogen zu erklären, was falsch ist, an diesem Joker. Was ihn so böse macht. Weshalb er so agiert, wie er agiert. Jeder Zug des unbekannten Spielers wird noch im Film in eine Handlungslogik gepresst, die keine Verunsicherung mehr zulässt. Im Augenblick als die Welt begriffen ist, ist klar, wie die Geschichte zu Ende geht. Schlimmer noch: Den Bildern ist ihre Kraft genommen. Sie werden zur bloßen Dekoration der Worte. So verstörend Joker ist, so harmlos wird er durch das Wort, das sich über sein Bild schiebt und als wahr sprechender Kommentar Bedeutung gibt.

Bei Dark Knight dauert es fast noch zwei Stunden, bis man von der Abfolge hübscher Explosionen befreit wird. Im letzten Bild, selbst noch im Augenblick des Rücktritts des gebrochenen Helden, erklärt der Vater dem Sohn, wieso es so ist, wie es ist. Mehr noch: Wieso es gut ist, wie es ist. Das alte Beruhigungsmittel, das das Wort an den Anfang setzt und Sinn stiftet, verdrängt die Offenheit des Bildes – und hinterlässt einen Film, der bestenfalls harmlos ist, weil seine Bilder das sprechen verlernt haben.

9. September 2008
Angedacht

Wortwolke: Exposee

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