10. April 2008

Alltag ändert sich, wenn er das im Kleinen tut.

Ein Gerät ist verschwunden, benutzt nicht mehr seine Steckdose sondern eine andere. Eine Steckdose, die fast fünf Jahre lang nicht benutzt wurde, gerätelos geblieben war. Sie lebt noch. Das beruhigt. Aber morgens, wenn die verschlafenen Augen die Uhrzeit suchen, ist das Gerät verschwunden. Das macht Unruhe. Nur kurz zwar, aber immerhin. Dann dreht sich der Schlafende, oder vielmehr: nicht mehr Schlafende auf die andere Seite, nicht um nochmal zu schlafen, einfach nur, um die Uhrzeit sehen zu können, die jetzt auf der anderen Seite des Betts steht. Weil es noch zu früh ist und es tatsächlich ein oder mehrere Vögel waren, die ihn geweckt haben, dreht er sich auf die andere Seite. Diesmal, um nochmal zu schlafen. Wenn dann der wieder Erwachende mit verschlafenen Augen die Uhrzeit sucht, ist sie verschwunden. Das macht Unruhe. Und, ja, auch diesmal nur kurz, aber immerhin schon zum zweiten Mal. Also dreht sich der nicht mehr Schlafende auf die andere Seite, weil er sich jetzt auch daran erinnert, dass die Uhrzeit auf der anderen Seite steht. Und während er sich auf die andere Seite dreht und sich überlegt, ob er nicht doch noch ein bisschen schlafen sollte oder auch nur könnte, da platzt ihm die Sonne samt Vogelgeplauder ins Gesicht. Und so bleibt er nach halber Drehung auf dem Rücken liegen, guckt in den Himmel und ist wach und bleibt das auch. Einfach so, ohne auf die Uhrzeit zu blicken.

Vier, fünf, vielleicht auch sechs Minuten später dreht er sich wieder auf die Seite, will dort nach der Uhrzeit sehen. Und lacht diesmal. Nicht laut. Aber ein Lachen ist es trotzdem. Und denkt: Alltag ändert sich, wenn er das im Kleinen tut.

… die Menschen machen Filme im Internet, weil sie das Bedürfnis haben zu existieren, nicht weil sie etwas sehen wollen.
Jean-Luc Godard im Interview mit Katja Nicodemus. (0)

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Vereinfacht könnte man sagen, der Humanismus will das ideologische System ändern, ohne die Institution anzurühren; der Reformismus will die Institutionen ändern, ohne das ideologische System anzurühren. Revolutionäre Aktion bedeutet dagegen gleichzeitige Erschütterung des Bewusstseins und der Institution; und dazu muss sie die Machtverhältnisse angreifen, deren Werkzeug, Waffe und Panzer sie sind. ~ sagte er. Und ich frage mich in welchen Giftschränken er eigentlich schon steht?
Michel Foucault in: Jenseits von Gut und Böse. Dits et Ecrits II, Nr. 98, S. 283. (0)

Ein schönes Hörstück amerikanischer Gewerkschafts- und Filmgeschichte hat Jörg Taszman geschrieben und lässt es beim Deutschlandfunk hören: Streik der klugen Köpfe — Zeitenwende in der US-Filmbranche. — Und auch wenn mir die Golden Globes herzlich egal sind, trieb es mir doch das Schmunzeln ins Gesicht, als ich auch im Deutschlandfunk Roland Huschke über die Golden Globes hörte. Wenn er sagt, dass “die Golden Globes an sich (…) in der Branche keinen großen Wert (haben)”, dass “die (…) nicht wirklich ernst genommen” werden, dann ist es die Freude der Bestätigung der eigenen Meinung, die ja immer gut tut. Wenn er dann das gleiche über die unsägliche goldene Kamera sagt, dann freut’s mich noch ein bisschen mehr … (0)

Jahreswechsel

smells like autumn
smells like memory ~ singen dictaphone. Draußen regnet es. (0)

Vor einem Jahr saß ich als einzelner, einsamer Mensch in der Pressevorführung des Films Tarnation. Mir hat der Film ausgesprochen gut gefallen, und weil über Filme, die nicht ins Kino kommen, keiner spricht, habe ich damals hier auf hinterwelt.net eine Kritik geschrieben. Fan von Fernsehtipps bin ich ja eigentlich nicht, bei Tarnation möchte ich aber eine Ausnahme machen: Heute Abend, also am Dienstag, den 5.6.2007 um 22.25 Uhr kommt Tarnation auf 3sat. (0)

24. Mai 2007

Ausstellungsstück #2 - Garten

Letztens wurde ich gebeten einen Beitrag für eine Radiosendung zu dem Thema “Garten” zu machen. Es mag viel über Gärten zu erzählen geben, es mag viele Experten und irgendwie anders geeignete O-Tongeber geben. Wenn man aber weder in einer radiophonen Ausführung von “Schöner Garten” landen möchte, noch aufgeschwurbelt feuilletonistisch festlegen möchte, welche Bedeutung der Garten hat, dann bleibt nicht mehr viel übrig, dachte ich mir; — und dass ich zum Garten eigentlich nichts zu sagen habe. Heraus kam dieser Beitrag zum Garten. — Ausstellungsstück #2.

Direkter Download der *.mp3

22. Mai 2007

Hamas, Geiseln im Irak und ein Dilemma der Öffentlichkeit

Wie die Funktionsweise und letztlich auch der Erfolg der Medien, die Medien zum Schweigen zwingt, wenn sie nicht zum Instrument werden wollen.
[den ganzen Beitrag lesen →]

18. Mai 2007

Sarkozy. Einfach nur Sarko.

Über: Nicolas Sarkozy. Ein Film als Versuch, Sarkozy und seine polarisierende Wirkung zu erklären.

Hinweis: Da der Film leider nur auf Französisch existiert, ist dieser Eintrag wahrscheinlich nur für diejenigen interessant, die Französisch verstehen.

Vor kurzem staunte man über die Wahlbeteiligung bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich. 84% Wahlbeteiligung ist ein Wert, von dem Demokraten diesseits des Rheins träumen. Der Preis für diese hohe Wahlbeteiligung ist ein polarisiertes, vielleicht gar gespaltenes Land und derjenige der für die Polarisierung sorgt(e) ist eben dieser Sarkozy. Eineinhalb Jahre ist es her, dass man den Kopf über die “Unruhen” in den Vororten Frankreichs schüttelte. Man kann auch heute noch ganz trefflich darüber streiten, welche Rolle Nicolas Sarkozy dabei spielte, wie weit er Auslöser war? — und ob er Nutznießer war?
Frankreich, fremdes Urlaubsland
titelte ich vor eineinhalb Jahren:

Am Ende wird die französische Gesellschaft noch polarisierter sein, als sie es in den letzten Jahren (nicht unentscheidend durch Sarkozy) ohnehin schon ist. Er weiß die Mehrheit auf seiner Seite. Und je polarisierter die Gesellschaft ist, umso fester steht die Mehrheit bei ihm. Kurz: Natürlich wird Sarkozy nicht zurück treten, stattdessen wird er wenn alles vorbei ist noch zuversichtlicher zur Präsidentenwahl antreten.

Frankreich, fremdes Urlaubsland. Und wahrscheinlich wird diese Fremdheit in den nächsten Jahren nicht abnehmen. Hier, in Deutschland freut man sich über den Aufschwung und wenn überhaupt irgendwelche Gemüter erhitzt werden, dann wegen Christian Klar.
Frankreich dagegen ist polarisiert wie lange nicht mehr [den ganzen Beitrag lesen →]

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